Audio

Wir veröffentlichen hier Aufzeichnungen unserer Veranstaltungen und öffentlichen Diskussionen.

Podiumsdiskussion „Zur asiatischen Produktionsweise“
23. November 2025

Vom 21.-23. November 2025 diskutierten die Antideutschen Kommunisten Leipzig mit der Gruppe Proletarische Passagen über den Begriff der Asiatischen Produktionsweise. Im Zentrum stand die Frage nach den ökonomischen Bedingungen der despotischen Herrschaft in Russland, die sich – so eine Ausgangsthese der Veranstaltung – vom Zarenreich über den Stalinismus bis in den heutigen Putinismus hinein erstrecken.

Weil die theoretische Fassung des Begriffs in der öffentlichen Podiumsdiskussion vernachlässigt wurde, sei der Aufzeichnung eine grobe inhaltliche Bestimmung und ihr Bezug zur heutigen Lage Russlands vorangeschickt:

Die Asiatische Produktionsweise beschreibt eine vorkapitalistische Gesellschaftsform, die sich durch gemeinschaftliches Grundeigentum (Dorfgemeinden) und eine zentrale, despotisch herrschende Staatsgewalt auszeichnet. Im Unterschied zur kapitalistischen Produktionsweise beruht diese ökonomische Ordnung des Gemeinwesens nicht auf dem privatem Eigentum an Produktionsmitteln, freier Lohnarbeit und marktvermittelter Produktion, sondern auf kollektivem Dorfeigentum, staatlicher Aneignung des Überschusses (Tribut oder Fronarbeit) und begrenzter Warenproduktion. Die kapitalistische Dynamik, in der Akkumulation und Konkurrenz einen ständigen technologischen und gesellschaftlichen Wandel erzwingen, fehlt in der asiatischen Produktionsweise weitgehend, weshalb sie als relativ statisch gilt.

Auch wenn sich im heutigen Russland die kapitalistische Produktionsweise durchgesetzt hat, so kann die Kontinuität der despotischen Herrschaft im russischen Gebiet auch dadurch erklärt werden, dass die kapitalistische Entwicklung hier auf Elementen der asiatischen Produktionsweise aufsetzen musste. Diese Rudimente – so ein Teilergebnis des Seminars – prägten nicht nur die staatskapitalistische Entwicklung der Sowjetunion, sondern bestimmen bis heute die ökonomische, ideologische und militärische Verfassung des russischen Gemeinwesens.

In der Diskussion traten die begrifflich-historischen Bestimmungen zur Asiatischen Produktionsweise hinter der politischen Frage zurück, wie sich Communist:innen heute zur Bedrohung der demokratisch verfassten Gesellschaften Europas durch den russländischen Faschismus verhalten sollten. Nachdem auf dem Podium militärische Aspekte des Unterschieds zwischen despotischer und liberaldemokratischer Herrschaftsweise angesprochen wurden, wie sie sich im Krieg gegen die Ukraine zeigen, schaltete sich im Verlauf des Abends immer mehr Menschen aus dem Publikum mit Fragen, Anmerkungen und Kommentaren ein.

Podiumsbeiträge und Diskussion

Nach den Podiumsrunden wurde zunächst die Form des öffentlichen Gesprächs selbst thematisiert. Die Aufzeichnung setzt kurz nach dem Beginn dieser Teildiskussion ein. Sie leitet über in einen kritischen Austausch zur Politik der Aufrüstung, der Wehrpflicht und geostrategischer Bündnispolitik, wie sie den europäischen Staaten mit der faschistischen Bedrohung durch Russland aufgezwungen wird. Hierbei wurden auch Einwände gegen den Militarismus vorgebracht und auf die Gefahr einer möglichen AfD-Regierung in Deutschland hingewiesen. Unter Rückgriff auf persönliche Erfahrungen stand auch die Frage der Gewalt selbst im Raum und welche Rolle sie in der hiesigen, aber auch in einer an den individuellen Bedürfnissen orientierten Gesellschaft spielt.

Statt einer ideologisch einseitigen Agitation für oder gegen Aufrüstung und Wehrpflicht, wie sie aktuell in der Linken zu beobachten ist, tauschten die Teilnehmer*innen den restlichen Abend über in respektvoller Atmosphäre Argumente darüber aus, ob und wie sich Communist:innen zu Krieg, Revolution und Gewalt verhalten können bzw. müssen.

Diskussion

Buchvorstellung „Marx gegen Moskau“ // 14. März 2025

Es bleibt noch immer bemerkenswert, wieviel Sorgfalt das Moskauer Reich sowie auch das moderne Rußland stets darauf verwendet haben, Republiken zu vernichten. Novgorod und seine Kolonien führten den Reigen an, die Kosakenrepublik folgte, Polen schließt ihn ab. (Karl Marx)

Am 14. März 2025 stellte Timm Grassmann sein Buch „Marx gegen Moskau – Zur Außenpolitik der Arbeiterklasse“ in Frankfurt am Main vor. Nach einer Einleitung durch unsere Gruppe und Grassmanns Ausführungen zu Marx und Engels politischem Wirken gegen das zaristische Russland wurde mit dem Publikum darüber diskutiert, welche Schlussfolgerungen sich aus der Marxschen Forderung nach einer Außenpolitik des Proletariats heute ergeben.

Aus der Buchankündigung:
Marx’ Gedanken zur russischen Autokratie und zu einer Außenpolitik der Arbeiterklasse können als Antizipation des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine verstanden werden. Mit seiner «traditionellen auswärtigen Politik» des territorialen Expansionismus sah Marx den russischen Staat in einer Selbstbezüglichkeit und Maßlosigkeit verfahren, die der ökonomischen Bewegung des Kapitals ähnelt: Eine Eroberung ist nur der Ausgangspunkt für die nächste.
Marx wurde deshalb zu einem leidenschaftlichen Aktivisten für die Wiederherstellung eines unabhängigen polnischen Staats. Proudhon dagegen wollte im Namen des Weltfriedens das Gleichgewicht der Großmächte bewahren und Polen dazu in russischen Händen belassen. Am Ende seines Lebens hat sich Marx auch mit der Geschichte der ukrainischen Unabhängigkeitskämpfe be­schäftigt. Die Abwehr autokratischer Übergriffe und die Selbstbestimmung demokratischer Republiken waren die unmittelbaren Ziele seiner zahlreichen Interventionen in die internationale Politik.

Einleitung und Vortrag
Diskussion